Kommentar zur Form | Die Briefe weisen meist ein klares Schema der Höflichkeit auf: Begrüßung des Empfängers und „Erklärung ihm zu Diensten sein zu wollen“, Anlass des Schreibens, Grüße an Verwandte und Freunde, Empfehlung der Gnade Gottes (Stieda 1921, XVII).
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Sprachliche Besonderheiten | In den Briefen finden sich Formulierungen und Floskeln, die auf die Textsorte der Urkunde verweisen, zudem sind Passagen in Latein enthalten (Wich-Reif 2017, 292).
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Inhalt | Das Korpus umfasst ca. 547 Dokumente aus der Korrespondenz und dem Umfeld des Hansekaufmanns Hildebrand Veckinghusen (um 1370-1426). Es handelt sich zum Großteil um Geschäftsbriefe an Hildebrand Veckinghusen, aber auch Schuldbucheintragungen, Rechnungen und Testamente. Hildebrands ältester Bruder Sivert Veckinghusen findet sich unter den Schreibern und auch Hildebrands Ehefrau Margarethe. Die Datierung der eigentlichen Briefe beginnt 1398 und endet 1426 (Stieda 1921).
Die Dokumente geben Einblicke in das Leben und Wirken Hildebrand Veckinghusens: Als Kaufmann tritt er erstmals im Jahr 1390 auf und entwickelt sich in den Folgejahren zu einem angesehenen Geschäftsmann, dessen Haupthandelsgebiet im Hanseraum lag, besonders Flandern, aber auch bis nach Danzig und sogar Venedig reichte. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er Margarethe Witte, mit der er sieben Kinder hatte (Hammel 1991, 2671). Die Familie lebte in einem Haus in Lübeck. Hildebrand selbst verbrachte allerdings die meiste Zeit in Brügge, um von dort aus Handel zu betreiben. In den Anfangsjahren gemeinsam mit seinem älteren Bruder Sivert. Hildebrand handelte mit Rohstoffen (Eisen, Blei, Kupfer, Wachs, Butter, Salz …), Genussmitteln (Pfeffer, Ingwer, Gewürze), Pelz- und Tuchwaren, aber auch mit Paternosterkränzen und Korallen (Stieda 1921, XXVIII). Waren seine Geschäfte bis ca. 1510 noch erfolgreich, so sammelten sich mit den Jahren immer mehr Verluste an – ungünstige wirtschaftliche und politische Veränderungen im Hanseraum, aber auch eigene Fehlentscheidungen, Risikobereitschaft und das Ausbleiben von Zahlungen waren Gründe dafür, außerdem kam es zum Bruch mit seinem Bruder Sivert. Ab 1414 sind erste Mahnungen von Geschäftskunden überliefert, 1422 wurde Hildebrand schließlich aufgrund von Schulden in Brügge inhaftiert und kam erst 1425 wieder frei. Daraufhin kehrte er 1426 zu seiner Familie nach Lübeck zurück, wo er kurze Zeit später verstarb (Hammel 1991, 2673). Seine Frau verlor das Haus und war fortan auf die spärliche Unterstützung Sivert Veckinghusens angewiesen. (Hammel 1991; Stieda 1921; Lorenz-Ridderbecks 2014)
„Er wollte höher hinaus als andere, er strebte weiter und blickte schärfer als seine Umgebung. Daß er unterliegen mußte, fallen im unrühmlichen Kampfe gegen die gemeine Not des täglichen Lebens, sichert ihm unser Mitgefühl auch noch 500 Jahre nach seinem Tode. Viele derartige Männer, die so wie er die Bezeichnung eines Großkaufmanns verdienen, wird die Hanse schwerlich hervorgebracht haben.“ (Stieda 1921, XLII)
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